Christian Winter – Soloposaunist

Wie bei Bläsern aus Österreich nicht unüblich, führte auch der Weg von Soloposaunist Christian Winter ins Orchester über die Volks- und Blasmusik. Über die Wichtigkeit der sozialen Komponente in den Blasmusikkapellen und seinen persönlichen Werdegang von der Volksmusik ins Mozarteumorchester erzählt der gebürtige Oberösterreicher in dem folgenden Blog-Beitrag.

Ich kann mich sehr gut erinnern, dass mein Opa und mein Papa immer schon zuhause geübt haben. Die waren beide bei der Blasmusikkapelle und dadurch habe ich meinen ersten Kontakt zur Musik bekommen. Als ich sieben Jahre alt war, wollte ich dann auch ein Instrument lernen und Teil der Musikkapelle werden. Ich kannte damals nur das Schlagzeug ganz gut und als ich ins Musikerheim mitdurfte, um Instrumente auszuprobieren, wurde mir sofort gesagt, dass gerade kein neuer Schlagzeuger gebraucht wird. Als ich dann am Horn gleich einige Töne spielen konnte, war das Instrument schnell gefunden. Da aber an der Musikschule kein Platz frei war, bekam ich schließlich ein Tenorhorn und begann die Ausbildung an diesem Instrument.

Für junge Menschen hat die Blasmusik eine große Bedeutung – sowohl für die musikalische, als auch die persönliche Entwicklung. Ich durfte meinen Vater am Instrument beobachten und der wurde natürlich für mich schnell zum Vorbild.

Als ich mit zehn Jahren zur Posaune wechselte, fand ich in einem Kollegen, der das goldene Leistungsabzeichen hatte, das nächste Vorbild.Ich kannte auch noch nichts anderes, aber in dieser Zeit war für mich die Blasmusik das Größte. Besonders im Hinblick auf die soziale Komponente war die anfängliche Zeit in der Musikkapelle schon sehr prägend. Man lernt vor allem auch das Zusammenspiel und das Zusammensein mit älteren Kollegen. Damals waren wenige Mitglieder in meinem Alter und rückblickend war das eine schöne Erfahrung, mit Menschen völlig unabhängig von ihrem Alter zusammenzuspielen und musikalisch zu arbeiten. Ich war auch recht talentiert und durfte dann schnell bei der „Tanzlmusi“ von meinem Papa mitspielen. Die brauchten zwar eigentlich keinen Musiker mehr, aber ich durfte ohne Noten Nachschläge mitspielen. Und da habe ich dann sehr schnell gelernt, aufmerksam zuzuhören, aber auch dieses in der Volksmusik so wichtige „Auswendig-Dazu-Spielen“.

Der Weg von der Blasmusik ins Orchester

Um aus einem talentierten jungen Musiker etwas zu machen, muss das Umfeld passen. Weiters braucht man aber auch Glück. Vor allem der Umgang und die Beziehung zum ersten Lehrer, aber auch die anderen Schüler in der Musikschule können sehr viel Gutes bewirken. So hat mich beispielsweise mein erster Lehrer mit 14 Jahren an der Uni vorspielen lassen, weil er überzeugt war, dass das der beste Weg für mich sei. Meines Erachtens ist für den Weg über die Blasmusik sehr wesentlich, dass man vorher in der Blas- und Volksmusik dieses „Musikantische“ lernt. Das heißt, man lernt, gemeinsam zu spielen, mit Freude Musik zu machen und insbesondere dieses „Zuawihern“.

Das bedeutet auch mal, ohne Noten miteinander zu musizieren. Am Wichtigsten ist immer das Miteinander, sei es in sozialer Hinsicht oder mit Blick auf die Musik.

Erst dann auf der Universität lernt man die Genauigkeit, richtig zu intonieren und so weiter. Ich war zum Glück schon sehr früh an der Uni und in meiner Ausbildung schon sehr weit, als andere erst für einen Studienplatz vorspielten. Was aber immer wichtig blieb, war dieses gemeinsame Musizieren, sei es im Ensemble, im Jugendsinfonieorchester oder auch mal spontan und ungezwungen in einem Gasthaus.

Die Orchesterstelle als Ziel

Das Ziel, ins Orchester zu kommen, stellte sich bei mir mit den ersten Orchestererfahrungen im oberösterreichischen Jugendsinfonieorchester so mit 15 Jahren ein. Da habe ich beschlossen, dass ich das machen will. Im Zuge von Projekten mit dem Orchester des Bruckner Konservatoriums in Linz, wie es damals noch hieß, hat sich dieses Gefühl noch mehr verstärkt. Vor allem solche Projekte in der Jugendzeit zeigen dir sehr schnell, ob dir das Spaß macht, ob man sich in der Rolle eines Orchestermusikers wohlfühlt und man sich vorstellen kann, das beruflich zu machen. Solche Projekte, wie etwa beim Internationalen Orchesterinstitut Attergau, haben mich sehr beeinflusst und mich auf den Weg ins Orchester gebracht.

 

Über die österreichische Blasmusiktradition

Ich glaube, in Österreich kommen die meisten Blechbläser vom Land und aus der Blasmusik. Wenn ich das mit anderen Ländern vergleiche, dann lernen wir hier vor allem in jungen Jahren das „Musikantische“. Man spielt nie, ich sag‘ mal, steril und versucht immer, Musik zu machen, egal welches Notenmaterial man vor sich liegen hat. Ich denke, dass ist vor allem auch der Grund, dass auch in anderen Ländern sehr viele Bläser aus Österreich sitzen. Durch dieses Musikantische entsteht meiner Meinung nach auch unsere Klangkultur und das wird und sollte auch so bleiben. Es gibt natürlich auch andere Arten von Musik, wie zum Beispiel Brass Bands, in denen man technisch wahnsinnig viel lernen kann. Aber vor allem das Spielen in kleineren Formationen, wie beispielsweise „Tanzlmusi“, oder in kleineren Besetzungen fördert das Zuhören und das Zusammenspiel sehr gut. Eben gerade in den jungen Jahren eines Musikers.

 

Über die österreichische Klangkultur

Ich muss ehrlich sagen, dass ich als junger Musiker nicht wirklich viele Aufnahmen, Orchester oder Ensembles kannte. Aber natürlich gab es erste Vorbilder oder Aufnahmen, die viele Musiker geprägt haben. Zum Beispiel fällt mir hier die Zeit ein, in der Hans Gansch Solotrompeter der Wiener Philharmoniker war. In Bezug auf Klang dienten als Anhaltspunkt natürlich auch immer die Posaunisten in den Wiener Orchestern, aber vor allem beim Instrument Posaune vermischen sich da viele Einflüsse. Dieser weiche, runde, aber trotzdem fette Klang der Posaune hat schon auch seine Wurzeln in Amerika. Mein Professor, Prof. Josef Kürner, hat beispielsweise auch in Chicago studiert.

Über das Leben als Orchestermusiker

Es ist gerade der soziale Aspekt, den man in der Blasmusik lernt und auch ins Orchester mitnimmt. Man redet auch außerhalb der Musik mit den Kollegen und findet gemeinsame Interessen. Diese Gemeinschaft trägt einen wichtigen Teil dazu bei, dass man gut miteinander spielt und auch auftretende Probleme gemeinsam lösen kann. Neben dem Üben allein ist auch dieser „Teamgedanke“ sehr wichtig. Man lernt sich besser kennen, spielt auch mal einen langen Abend gemeinsam Karten oder was auch immer. Und dadurch harmoniere ich im Zusammenspiel sicher besser mit meinen Kollegen.

Die jetzige Verbindung zur Blasmusik

Manchmal bleibt zu wenig Zeit für die Blasmusikkapelle, weil es doch sehr viele Ausrückungen gibt und das Orchesterleben und andere Projekte viel Zeit in Anspruch nehmen. Aber ich bin Mitglied in der heimischen Musikkapelle und auch in Hof bei Salzburg, weil dort ein ehemaliger Studienkollege Kapellmeister ist. Wenn ich Zeit habe, dann bin ich immer gerne dabei, eben auch weil es eine gute Abwechslung zum Orchesterleben darstellt.

 

Herzlichen Dank an unseren Posaunisten Thomas Weiss für die Initiative und Umsetzung des Backstage Blogs!

Ebenso finde ich in Auftritten mit Volksmusikgruppen oft eine schöne Abwechslung. Neben der klassischen Musik sollten wir nie vergessen, wo unsere Wurzeln sind und was uns zu den Musikern gemacht hat, die wir heute sind. Und da macht es auch keinen Unterschied, wie das Niveau der Musikgruppe ist, sei es das Musizieren mit meinem Papa, dem Nachbarn von zuhause oder jungen Mitgliedern der Blasmusik. Da profitieren beide Seiten davon und im Mittelpunkt steht immer das gemeinsame Aufspielen. Und das macht nach wie vor sehr viel Spaß.