Pressemitteilung

Nach einer kurzfristigen Anfrage an das Mozarteumorchester, als Einspringer für das Budapest Festival Orchestra drei Konzerte in Zürich, Genf und Bern zu geben, ist dieses Gastspiel der aktuellen Corona-Situation leider ebenfalls zum Opfer gefallen: letztes Wochenende hat die Schweiz das Land Salzburg auf die rote Liste gesetzt und die Veranstalter mussten absagen.

Nun wird Trevor Pinnock das Konzert – wie geplant und vor der eigenen Haustür des Orchesters – in Salzburg dirigieren. Es gibt lediglich eine kleine Programm-Änderung: anstelle von Mozart wird die erst 13-jährige Nachwuchspianistn Alexandra Dovgan Beethovens Klavierkonzert Nr. 2 spielen.

Joseph Haydn war nie in Paris. Aber schon in den 1770er-Jahren war er einer der meistgespielten Komponisten in der französischen Metropole. Und so beschloss eine einflussreiche Freimaurerloge, für ihre Konzertreihe „de la Loge Olympique“ sechs Stücke beim „Vater der Symphonie“ zu bestellen. Das Pariser Orchester, zum Großteil aus Musikern der Oper bestehend, war damals das größte der Zeit, mit rund fünfzig Streichern und bis zu fünfzehn Bläsern samt Pauken. Damit waren die „Olympier“ mindestens doppelt so stark besetzt wie Haydns Orchester in Eisenstadt. Der Komponist konnte freudig aus dem Vollen schöpfen – erst später in London sollte er den neuen Klang auch hören und direkt mitgestalten. Die D-Dur-Symphonie ist ein perfektes Beispiel für die innovative Fantasie des Komponisten.

Der junge, noch im Vollbesitz seines Gehörs befindliche Ludwig van Beethoven zählte zu den gefeierten Pianisten seiner Zeit. Er galt in Wien und Prag als legitimer Nachfolger des 1791 verstorbenen Wolfgang Amadé Mozart. Dessen Einfluss ist in diesem frühen Werk noch unüberhörbar, doch sind Melodiebildung und manch harmonisches Detail bereits typischer Beethoven. Der erste Satz, ganz traditionell vom Orchester eingeleitet, lebt vom klassischen Kontrast zwischen einem kraftvollen und einem gesanglichem Thema. Da klingen viele Sequenzen noch sehr nach Mozart. Das Neue findet vor allem in überraschenden Wechseln der Tonarten, in energievollen Ballungen und dynamisch akzentuierten Steigerungen statt, also in für den Stil des späteren Beethoven bezeichnenden Techniken.

 

DONNERSTAGSKONZERT ZWEI

22.10.2020 · 19.30 Uhr · Stiftung Mozarteum

PROGRAMM

Joseph Haydn
Sinfonie Nr. 86 D-Dur Hob. I:86

Ludwig van Beethoven
Klavierkonzert Nr. 2 B-Dur op. 19

TREVOR PINNOCK, DIRIGENT

Trevor Pinnock ist als Cembalist und Dirigent auf der ganzen Welt bekannt und gilt als einer der Pioniere der Wiederbelebung historischer Aufführungspraxis. 1972 gründete er The English Concert, dessen bahnbrechende Interpretationen auf Originalinstrumenten zu einer extensiven Verbindung mit dem renommierten Label Deutsche Grammophon und zu weltweiter Tourneetätigkeit führten. Im Zentrum des Repertoires standen die großen Orchesterwerke von Bach, Händel, Mozart und Haydn, aber auch Chorprojekte und Kammermusik. Zudem spielte der aus Canterbury stammende Künstler Solostücke wie Bachs berühmte Goldberg-Variationen und die Partiten ein. Rund 30 Jahre wirkte er als Künstlerischer Leiter des English Concert. Seither widmet er seine Zeit Gastdirigaten bei namhaften Orchestern, Solo-Rezitals, der Kammermusik und seiner Arbeit mit Studenten an der Royal Academy of Music.

Trevor Pinnock erhielt zahlreiche bedeutende Auszeichnungen und die Ehrendoktorwürde der Universitäten London, Ottawa, Sheffield und Canterbury. Beim Mozarteumorchester ist er immer wieder ein gern gesehener Gast.

 

ALEXANDRA DOVGAN, KLAVIER

„Ich sage ihr eine große Zukunft voraus…“ Dieses Urteil über die Nachwuchskünstlerin Alexandra Dovgan stammt von keinem Geringeren als Grigory Sokolov, einem der bedeutendsten Pianisten der Gegenwart. Seit ihrem fünften Lebensjahr widmet sich die 2007 in eine Musikerfamilie geborene Russin dem Klavierstudium. In ihrem jungen Alter hat sie bereits fünf internationale Wettbewerbe gewonnen und ist in einigen der wichtigsten Konzertsälen aufgetreten. Dazu zählen das Mariinsky Theater, die Berliner Philharmonie und der Große Saal des Concertgebouw in Amsterdam. Im Juli 2019 begeisterte sie mit ihrem Rezital-Debüt bei den Salzburger Festspielen Publikum und Kritiker gleichermaßen.

Spontane Tiefe und Bewusstheit, unglaubliche Klangschönheit und Präzision charakterisieren ihr Spiel. Zudem besitzt sie eine beeindruckende Konzentration, jede Menge kreative Imagination und eine eigene Persönlichkeit auf der Bühne. Wenn die junge Pianistin nicht gerade am Klavier sitzt, fährt sie gerne Ski, spielt Orgel, tanzt Ballett, beschäftigt sich mit Mathematik oder spielt mit ihrem kleinen Bruder.