„Geh, Oida, des is ned unser Musik” Die „Verklärte Nacht” von Arnold Schönberg als Gemeinschaftskonzert des Mozarteumorchesters Salzburg mit der Neuen Mittelschule Nonntal – Wie begeistert man 260 Schülerinnen und Schüler zwischen 10 und 14 Jahren aus 14 Nationen für klassische, romantische Musik? „Wir wollten die Kinder emotional berühren. Dann sind sie offen für Ungewohntes”, sagen Monika Sigl-Radauer, Konzertpädagogin des Mozarteumorchesters Salzburg und Alexander Reicher, Musiklehrer an der NMS Nonntal. Am vergangenen Freitag konnte man im Orchesterhaus Salzburg ein Gesamtkunstwerk erleben, das seinesgleichen suchte. Sowohl das Mozarteumorchester Salzburg als auch alle Schüler der NMS standen im Rahmen des Musikvermittlungsprogrammes „OrchesterlabOHR” auf der Bühne. Mit Schönbergs Musik sind die Kinder der NMS Nonntal noch nie konfrontiert gewesen. Schon eher mit dem Orchester, dessen Patenschule sie in diesem Schuljahr sind. Sie kennen viele Musiker, deren Instrumente und das Orchesterhaus von anderen Projekten, die in diesem Schuljahr stattgefunden haben. Aber am besten kennen sich die Kinder wohl mit dem Thema aus, über das Arnold Schönberg seine Musik zur „Verklärten Nacht” geschrieben hat: die Liebe. Die Originalmusik ist nach einem Gedicht von Richard Dehmel im Jahr 1897 entstanden. Das Thema ist jedoch brandaktuell: eine Frau liebt einen Mann, ist aber schwanger von einem anderen und fürchtet sich nun vor der Reaktion des Geliebten. Im Konzert hatte jeder einzelne Schüler, jede Schülerin eine Aufgabe. Der rote Faden „Liebe” durchzog das berührende Gesamtkunstwerk: Jede Klasse arbeitete mit Musikern des Orchesters, mit einer Schauspielerin oder mit der Konzertpädagogin, sowie im Deutsch- oder Kunst-Unterricht zu verschiedensten Themen. Es gab eine Foto-Love-Story in Form von projizierten Comics aus dem Leben der Schüler, die das Thema Schwangerschaft und Ausgrenzung bis hin zum Cyber-Mobbing thematisierte. Eigene Texte und Kompositionen bildeten zusammen mit der Originalkomposition, die feinsinnig vom Mozarteumorchester unter Thomas Dausgaard interpretiert wurde, ein rundes, sinnliches Klang- und Schau-Erlebnis. Beeindruckend wurde z.B. die „Verzweiflung der Frau” auf der Bühne zu Schönbergs Musik von den Schülern dargestellt. „ Am Anfang dachte ich: Geh, Oida, des is ned unser Musik, aber jetzt sind wir wirklich begeistert. Von der Musik und von uns selbst…”, sagt Tolgahan aus der 4b mit einem Augenzwinkern. Am Ende erschien alles Neue selbstverständlich, ja fast „verklärt”. Nur die letzten Zeilen des ursprünglichen Textes waren dann wohl doch zu altertümlich für die jungen Leute: so wurden sie kurzerhand umgedichtet und fanden sich auszugsweise in einem von den Schülern kraftvoll dargebotenen Rap wieder. Eine Besucherin meinte: „Besonders gefiel mir, dass es keine Effekthascherei und keine “Showeffekte” gab. Diese natürlichen und auch sparsamen Bewegungen, das Zusammenspiel – sehr stimmig und einfach zauberhaft.” Wie schwierig und anstrengend engagierte musische Arbeit mit Jugendlichen ist, weiß Thomas Schiendorfer, der Direktor der Schule: „Ich finde es toll, dass wir hier mit dem Mozarteumorchester die Chance hatten, den Jugendlichen tiefgreifende Erfahrungen durch das Live-Erlebnis zu ermöglichen. Und: Es geht hier nicht nur um feinste Musikvermittlung, sondern auch um Zusammenhalt, Solidarität und einen Beitrag zur Völkerverständigung.” (Drehpunktkultur am 22.3.2013)